Bei der Sache bleiben

Ein bekanntes psychologisches Experiment geht so: Die Teilnehmer wurden aufgefordert, Ballwürfe zwischen sechs Spielern zu zählen. Die Spieler hatten entweder weiße oder schwarze Hemden an, eine Hälfte der Teilnehmer zählte die Würfe der schwarzgekleideten, die andere Hälfte die der weißgekleideten Spieler. Nach einer Weile tauchte ein Mensch in Gorillakostüm auf, sprang zwischen den Werfern hin und her, trommelte auf seine Brust und verschwand wieder. Zum Schluss fragte der Versuchsleiter die Wurfzahlen ab, gratulierte denjenigen, die die richtige Zahl genannt haben. Und schließlich fragte er nach dem Gorilla – Sie ahnen es vermutlich schon: Nur wenige haben den Gorilla wahrgenommen.

Wenn wir wollen, können wir außerordentlich fokussiert sein. Und wenn wir uns voll und ganz auf eine Aufgabe konzentrieren, alles andere ausblenden. Psychologen sprechen von selektiver Wahrnehmung, unser visueller Kortex funktioniert wie ein Suchscheinwerfer. Zauberkünstler haben schon immer mit diesem Prinzip gearbeitet. Ohne diese Fähigkeit der willentlichen Fokussierung, wäre die Welt ein Chaos. Konzentrieren heißt, unter den vielen Eindrücken und Informationen auswählen, den Fokus stark auf das zu verengen, was uns wichtig ist – und alles andere zu ignorieren.

Die neuen Medien aber schränken diese Fähigkeit immer weiter ein, beobachten Experten. Unser Zeitmanagement ist zugunsten der neuen Mediennutzung verschoben, wir schlafen, sprechen, arbeiten weniger, verwenden dafür sechs bis neun Stunden mit Smartphone, Tablet, sozialen Medien und Internet. Diese absorbieren immer mehr unsere Aufmerksamkeit. Information verbraucht die Aufmerksamkeit ihrer Empfänger. Deshalb erzeugt ein Reichtum an Information eine Armut an Aufmerksamkeit, so Ökonom und Psychologe Herbert Simon. Das Lesen am Bildschirm verursacht genau dies, ein Zuviel an Information: ein E-Mail-Signal, eine aufblinkende Werbung oder der Link zu einer anderen Website verhindern ein „Tiefes Lesen“, also das konzentrierte Lesen und Verstehen des Textes. Nur ein tiefes Lesen ermöglicht, die Inhalte auch zu verstehen und zu behalten.

Doch was können wir tun, um unsere Konzentrationsfähigkeit zu steigern?

Prioritäten setzen

Welche Aufgaben und Projekte sind wichtig? Welche später wichtig? Und welche unwichtig?

Die unwichtigen sollten Sie dann rigoros ausblenden und, um sich voll und ganz den wichtigen widmen zu können.

Geordnete Arbeitsumgebung

Chaotische Schreibtische sind kein Zeichen von Genialität, sondern eher eine Störquelle und Ablenkung. Alles Unnötige sollte vom Schreibtische verschwinden, ebenso Hintergrundmusik. Auch ein gutes Raumklima ist wichtig, Pflanzen schaffen eine angenehme Atmosphäre, regelmäßiges Lüften ist ebenfalls wichtig.

Medienkontrolle

Schalten Sie Nachrichten für bestimmte Aufgaben oder Zeiten stumm. Bündeln Sie das Lesen und Beantworten von Nachrichten.

Pausen

Konzentration verbraucht Energie, deshalb sind richtig gesetzte Pausen wichtig. Wenn die Konzentration nachlässt, besser unterbrechen und zum Beispiel eine Runde um den Block gehen und frische Luft schnappen.

Genügend Schlaf

Nur wer ausgeschlafen ist, kann sich auch gut konzentrieren. Am besten vor Mitternacht zu Bett gehen und mindestens sieben Stunden schlafen.

Richtig essen

Üppige, schwere Mahlzeiten mit vielen Kohlenhydraten und Fett machen müde, was sich wiederum auf die Konzentration auswirkt. Besser für den Kopf ist eine leichte Mahlzeit, zum Beispiel gedünstetes Gemüse oder ein frischer Salat.