Bio-Landwirtschaft als globaler Standard – Utopie oder Perspektive?

Kann Bio die Welt ernähren? Anhänger konventioneller Landwirtschaft, Bio-Skeptiker oder Unternehmen wie Bayer behaupten, nein. Doch neue Studien wie die der Universität Cardiff widersprechen und liefern eindeutige Beweise für die Umsetzbarkeit. Insbesondere Landwirten in Entwicklungsländern bietet der Bio-Anbau solide Perspektiven, Erträge zu steigern. Bio kann die Welt ernähren – vorausgesetzt, die Produktion tierischer Lebensmittel wird reduziert und die Nahrungsmittelverschwendung eingedämmt.

Aktuell werden 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeworfen beziehungsweise sind Verluste entlang der Wertschöpfungskette. Das ist ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel. Gleichzeitig leiden laut diesjährigem UN-Report 690 Millionen Menschen weltweit an Hunger. Die Ursachen sind vielschichtig, Kriege, Konflikte, Katastrophen, Folgen des Klimawandels, wie Dürre oder Überschwemmungen, ungerechter, verzerrter Welthandel, schlechte Regierungsführung und Korruption sowie Landraub sind einige davon. Die Landwirtschaftsform ist dabei nicht entscheidend. Mit einer Ausnahme: der Einfluss auf den Klimawandel.

Aktuell verursacht die Landwirtschaft 31 Prozent der weltweiten Emissionen laut IPPC Global Carbon Project. Der Ausstoß an Treibhausgasen könnte um 60 Prozent gesenkt werden, zum Beispiel mit einem Stopp der Nutzung von Moorböden. Allein dadurch ließen sich 30 Prozent der Treibhausgase einsparen. Weitere 20 Prozent ließen sich durch die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft reduzieren. Besonders wichtig: Um den Treibhausgas-Ausstoß langfristig um insgesamt 60 bis 80 Prozent zu senken, müsste die Produktion von Fleisch und Milch gesenkt werden, insbesondere Rinderhaltung ist klimaschädlich.

Eine vollständige Umstellung auf Ökolandbau weltweit wäre auch laut einer Studie des Schweizer Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) möglich. Unter der Voraussetzung, dass die Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduziert und auf den Ackerflächen weltweit keine Futtermittel mehr angebaut würden – aktuell werden 34 Prozent der weltweiten Getreideernte als Tierfutter verwendet. Tiere würden dann nur noch Gras und Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie fressen. Mit der Konsequenz, dass der Konsum tierischer Produkte um rund ein Drittel eingeschränkt würde. Der Kalorien- und Proteinbedarf müsste dann vermehrt durch pflanzliche Nahrung wie Hülsenfrüchte gedeckt werden.

Neben den positiven Auswirkungen auf das Klima, ist ökologischer Anbau schonend für Böden, vermindert Erosion und steigert die Bodenqualität, weniger Düngemittel und Pestizide gelangen ins Grundwasser und damit auch ins Trinkwasser. Die Biodiversität nimmt laut einer Studie des Thünen-Institut zu, Artenzahlen der Ackerflora erhöhten sich um 95 Prozent, der Feldvögel um 35 Prozent und der blütenbesuchenden Insekten um 23 Prozent.

Doch reicht auch der Ertrag des Bio-Anbaus aus? Die bereits angesprochene Studie des Wissenschaftlerteams Parrot und Marsden von der Cardiff Universität kam zu außerordentlich positiven Ergebnissen. Sie ermittelten Produktionszuwächse von Nepal bis Brasilien zwischen minimal etwa zehn und maximal rund 250 Prozent, durchschnittlich lag die Ertragssteigerung zwischen 20 und 30 Prozent. Landwirte hatten nach der Umstellung auf Ökologischen Landbau höhere Einkommen erzielt und einen besseren Lebensstandard erreicht.

Insbesondere in den Tropen schneidet die ökologische im Vergleich mit konventioneller Landwirtschaft besser ab. Die erforderliche Nährstoffmenge für Nutzpflanzen kann dort auch mit synthetischem Dünger nicht erbracht werden, weil Tropenboden die Nährstoffe nicht sehr lange hält. Ökologischer Landbau verbessert dagegen langfristig die Nährstoffspeicherung durch Humus.

Bio-Anbau fügt sich gut in traditionelle Bewirtschaftungsformen in Entwicklungsländern ein: Leistungsfähige Sorten, durchdachter Mischfruchtanbau, intelligente Techniken gegen Beikraut- oder Schädlingsbefall und andere Maßnahmen sorgen für erstaunliche Ertragssteigerungen. Zugleich stärken sie die Unabhängigkeit der Bauern, denn sie brauchen keine teuren Betriebsmittel wie synthetischer Dünger, Pestizide oder patentiertes Saatgut.

Fazit: Bio-Anbau kann als Mittel zur Hungerbekämpfung nur bedingt greifen, wenn das eigentliche Problem nicht in der landwirtschaftlichen Produktion liegt, sondern soziale und politische Ursachen hat. Dennoch sind die ökologischen und sozialen Effekte sowie wirtschaftlichen Erträge so positiv, dass sich langfristig eine Umstellung für Umwelt und kommende Generationen auszahlen würde.