Body Positivity – die Kunst, Freundschaft mit seinem Körper zu schließen

Ideale sind etwas Schönes. Sie spornen uns dazu an, für unsere Überzeugungen einzutreten, aktiv zu werden und uns weiterzuentwickeln. Sie können uns zu einem konstruktiven Handeln animieren, als Individuum und als Gemeinschaft. Zum Beispiel, wenn wir uns bemühen, verantwortungsbewusst mit der Umwelt umzugehen. Dann sind wir bereit etwas dafür zu tun, zum Beispiel zu demonstrieren, auf Fleisch oder Flüge zu verzichten. Es erfordert Energie und Disziplin – aber wir wissen: Sie ist sinnvoll eingesetzt.

Schönheitsideale hingegen kann man ruhigen Gewissens in Frage stellen. Oder ganz einfach ignorieren. Denn das Streben nach ihm erfüllt keinen Sinn. Im Gegenteil: Es grenzt aus und es macht unglücklich. Ein Grund, weshalb sich Gegenwehr regt. Es ist die Body-Positive-Bewegung, sie strebt Körperakzeptanz und Selbstliebe an. Sie zieht ihre Kreise durch die sozialen Medien und zeigt sich in Fotos von Speckröllchen und Falten, die stolz und liebevoll in Szene gesetzt werden.

Eine prominente Anhängerin und Verfechterin der Body Positivity ist die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Lena Dunham. Sie stellte auf Instagram zwei Fotos von sich gegenüber, zwischen denen elf Kilos Unterschied liegen. Und zwar nicht, um einen Diäterfolg zu zeigen, sondern um ihre Befreiung von einem Schlankheitsideal zu feiern. Sie schrieb zu dem Post: „Ich hab mich nur von kleinen Mengen Zucker, tonnenweise Kaffee und Medikamenten ernährt. Ich bekam ständig Komplimente von Männern und war auf dem Cover eines Magazins über Diäten zu sehen. Aber ich war krank. Körperlich und mental.“

Auch der Dokumentarfilm „Embrace – Du bist schön“ (2017) der australischen Fotografin Tary Brumfit zielt auf eine veränderte Wahrnehmung des Frauenkörpers. Laut einer Umfrage sind 90 Prozent (!) der Frauen nicht mit ihrem Körper zufrieden. Brumfit forschte in ihrem Film nach den Gründen und dokumentierte in Interviews weibliche Erfahrungen mit Bodyshaming und Körperwahrnehmung.

Auch in Deutschland formiert sich Widerstand: Die 42-jährige PR-Managerin Melanie Jeske aus Hamburg wurde mit ihrem Instagram Account unter dem Namen „Melodie Michelberger“ bekannt und gilt als die Vorkämpferin der Body-Positive-Bewegung. Sie postet Fotos von sich, man sieht darauf eine fröhliche, runde, selbstbewusste Frau mit einer Leidenschaft für Mode, die das Schlankheitsdiktat bewusst ignoriert und sich nicht vorschreiben lässt, was schön sein soll. Jeske gründete außerdem die Community trusthegirls.org, eine Plattform, die sich mit dem Thema Feminismus beschäftigt. In Magazinen wie „emotion“ und „Brigitte“ zeigte Jeske sich mit ihrer Kleidergröße 42 in Unterwäsche. Auf einem Foto sehen wir ihren süßen, runden Po, darüber ist ihr Statement zu lesen: „Ich zeige mich, wie ich bin. Ist das schon mutig?“. In Zeiten der Hasskommentare und des Bodyshamings, die in den sozialen Medien um sich greifen, könnte man ihre Frage durchaus bejahen. Es ist mutig und es macht Mut, sich gegen die eingeimpften Schönheitsdiktate zu wehren, um sich in seinem Körper endlich wohlzufühlen. Sich freundlich zu betrachten, die Individualität nicht nur anzunehmen, sondern zu schätzen. Sich ein Freund sein. Und das heißt nach Elbert Hubbard: „Ein Freund ist jemand, der dich mag, obwohl er dich kennt!“. In diesem Sinne, fangen wir an, uns zu mögen – wir haben Grund dazu!