Der bittere Nachgeschmack von Zucker

25 Gramm Zucker. Nicht mehr, so rät die Weltgesundheitsorganisation WHO, soll der Mensch täglich zu sich nehmen. Im Durchschnitt werden in Deutschland 88 bis 95 Gramm Zucker täglich verzehrt. Wie schnell das gehen kann, zeigt der Zuckergehalt von Cola: Schon mit einem Glas (250 ml) würde man mit den enthaltenen 27 Gramm Zucker über der empfohlenen Menge liegen.

Zucker erhöht das Risiko für Fettleibigkeit, Karies und Typ-2-Diabetes. Foodwatch fordert deshalb eine Zuckersteuer für die Getränkeindustrie sowie eine Ampel-Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. Außerdem soll es eine gesetzliche Beschränkung der Werbung geben, die sich mit Spielzeugbeigaben oder Comicfiguren speziell an Kinder richtet. Schon Kinder können durch eine zu hohe Zuckeraufnahme eine Fettleber entwickeln, die sonst typisch für Alkoholiker ist. Apropos Sucht: Zucker regt im Gehirn die gleichen Regionen an wie Alkohol oder Nikotin. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit forschen an dem Thema, es gibt Hinweise darauf, dass Zucker Sucht erzeugen kann. Zudem wird untersucht, ob Zucker womöglich die Entstehung von Krebs fördert und ob eine zuckerfreie Ernährung gegen die Krankheit hilft. Auch auf unser Hirn soll zu viel Zucker fatale Auswirkungen haben. Margaret Morris erforscht an der University of New South Wales in Australien, wie sich die Abläufe in den Gehirnen von Übergewichtigen und Diabetikern verändern. Die Neuropharmakologin ließ ihre Versuchstiere eine Woche lang nur zucker- und fettreiche Nahrung fressen. Anschließend sollten die Ratten Denkaufgaben lösen. Das Ergebnis? Nachdem sie sich mit dem Junk Food vollgefressen hatten, ließ ihr Orientierungssinn sie im Stich.

Die Südzucker AG ist von den Forderungen von Foodwatch wie auch von den neusten Forschungen nicht begeistert. Die trotzige Reaktion ist auf ihrer Website zu lesen – es sind überraschende Behauptungen, zum Beispiel, dass Zucker keinen Einfluss auf die Zahngesundheit habe und zu einer ausgewogenen Ernährung gehöre. Die Lebensmittelindustrie ist mächtig, das Video zwischen Julia Klöckner und Nestlé dokumentiert dies eindrucksvoll. Keine einzige kritische Frage ist zu hören, stattdessen ein euphorisches Lob der Landwirtschaftsministerin. Die Forderungen von Foodwatch sind übrigens gescheitert.

Dabei verführt uns Süßes auch ohne Werbung und trotz bekannter Folgen spielend leicht. Die Vorliebe von Kindern für Süßes und Abneigung gegen Bitteres ist genetisch bedingt und überall auf der Welt gleich. Schon die süßliche Muttermilch bereitet darauf vor. In der Evolution war dies zum Überleben wichtig, denn keine giftige Pflanze schmeckt süß. Süß verspricht zudem viel Energie.

Also verkauft sich Süßes nach wie vor gut. Zucker wird außerdem in vielen auch herzhaften Fertiggerichten als Geschmacksverstärker eingesetzt, er dient der Lebensmittelindustrie als billiger Füllstoff. Die Zuckermengen sind enorm: Fruchtjoghurt enthält 16 Prozent Zuckeranteil, Ketchup 32 Prozent, Krautsalat 15 Prozent und Salatdressing 12 Prozent.

Was also tun?

Wer seinen Zuckerkonsum senken möchte, sollte dies sanft tun, eine Umstellung braucht Zeit. Ein erster Schritt könnte sein, gezuckerte Softdrinks und Haushaltszucker zu verbannen. Süßen lässt sich zum Beispiel auch mit Bananen oder Datteln. Selber kochen gibt die Kontrolle zurück! Die vielen versteckten Zucker in Soßen oder Fertiggerichten werden so bereits eingespart. Und dann ist das gelegentlich Stück Kuchen gar nicht mehr so schlimm.