Dishormonie

Es ist eine Lebensphase, in der wir nun bereits sehr gut wissen, wer wir sind und was wir wollen. Wir haben Entscheidungen getroffen, Erfolge gefeiert, Fehler gemacht, unsere Fältchen erzählen von lachenden und nachdenklichen Momenten, erlebt haben wir viel. Wir sind gestandene Frauen – und jetzt sollen uns Hormone ins Schwitzen und um den Schlaf bringen?! Nach Jahren der Disziplin und (zeitweiser/überwiegender/regelmäßiger) Standhaftigkeit gegenüber süßen Verführungen werden die Bedingungen plötzlich mit nachlassender Muskelmasse verschärft. Verstimmungen und Nervosität gibt es gratis dazu. Danke.

Der Fachbegriff für die Wechseljahre lautet Klimakterium. Spontan fällt da die Klimakrise ein – die Temperatur steigt und alles gerät aus dem Gleichgewicht. Natürlich muss das nicht zwangsläufig bei jeder Frau so sein. Ein Drittel der Frauen spürt in den Wechseljahren keinerlei Unterschied. Alle anderen können sich die im Durchschnitt fünf Jahre leichter machen – und das ganz ohne synthetische Hormontherapie.

Tipps:

Für einen guten Schlaf

Pflanzliche Präparate wie zum Beispiel Baldrian, Hopfen, Melisse oder Passionsblume helfen sanft bei Schlafstörungen.

Für einen natürlich ausgeglichenen Hormonhaushalt

Pflanzliche Mittel wie Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und Mönchspfeffer (Agnus castus) sind eine sanfter Weg, den weiblichen Hormonhaushalt zu harmonisieren. Auch Scharfgarbenkraut enthält hormonähnliche Substanzen, die das Ungleichgewicht während der Wechseljahre ausbalancieren können. Empfehlenswert ist eine Tasse Tee aus Schafgarbenkraut-Extrakt pro Tag. Auch die Ernährung kann stabilisierend wirken. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe (Phytohormone), die wie Östrogene wirken. Sie sind beispielsweise in Sojaprodukten enthalten. Alternativ oder zusätzlich (je nach Geschmack) sind auch Lignane eine gute Wahl. Enthalten sind sie in Leinsamen, Hülsenfrüchten, Getreide, Beeren, Kernobst und Salaten. Soja ist nicht nur bei Vegetariern und Veganern als Fleischersatz beliebt, auch für Frauen in den Wechseljahren ist die Bohne interessant. Sie gilt als pflanzliches Östrogen (Phytoöstrogen) und hilft besonders gegen Hitzewallungen – auch wegen der darin enthaltenen Biochanine (Ballaststoffe).

Gegen Hitzewallungen

Und was tun bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen? Lebensmittel können bei Hitzewallungen „abkühlen“. Salate mit Gurken, Tomaten und Radieschen, aber auch Wassermelonen und Erdbeeren wirken kühlend und können bei Hitzewallungen eine Wohltat sein. Schweißausbrüche treten häufig auf, wenn der Blutzuckerspiegel zwischen den Mahlzeiten zu stark abfällt. Auch die ätherischen Öle in Salbeitee hemmen die Nervenenden der Schweißdrüsen, die so weniger Schweiß produzieren. Beim Sport trainiert die Haut das Schwitzen, Hitzeschübe fühlen sich dann nicht mehr so unangenehm an. Den Effekt haben auch Besuche in der Sauna.

Für eine gute Verdauung

Wenn der Darm träge wird und Verdauungsbeschwerden entstehen, kann dies ebenfalls an den Wechseljahren liegen. Ein Glas Wasser morgens direkt nach dem Aufstehen entschlackt und fördert die Verdauung. Ballaststoffe fördern ebenfalls die Verdauung, mindestens 30 Gramm davon am Tag werden empfohlen – das ist durch Vollkorngetreide, Nüsse, Samen und Gemüse leicht zu erreichen. Bei trägem Darm helfen außerdem Joghurt, Quark und in Milchsäure eingelegtes Gemüse wie Salzgurke oder Sauerkraut. Besser reduzieren: Weißmehlprodukte, Schokolade und Bananen.

Wichtige Nährstoffe

Häufig entsteht in den Wechseljahren ein Mangel an Vitamin B12. Während der Wechseljahre stehen folgende Mikronährstoffe im Vordergrund: Vitamin B6, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Biotin, Zink und Selen.

Magnesium

Dieser Mineralstoff wird bei Stress schneller verbraucht und zusätzlich bei Hitzeschüben ausgeschwitzt. Wer am Abend ein Magnesiumpräparat einnimmt, kann zusätzlich besser einschlafen. Und die Substanz ist für stabile Knochen nötig. Eine ausreichende Zufuhr senkt das Osteoporose-Risiko, das durch den Hormonmangel im Klimakterium stark ansteigt.

Kalzium und Vitamin D

Rund um die Menopause nimmt die körpereigene Östrogen-Produktion ab – und mit ihr ihre wesentliche Schutzfunktion für das Knochengerüst. Deshalb sollte mit Beginn der Wechseljahre an eine gute Versorgung des Körpers mit Kalzium gedacht werden. Milch und Milchprodukte eignen sich mit ihrem hohen Kalziumgehalt dafür sehr gut. Mindestens ebenso wichtig für das Knochengerüst wie Kalzium ist auch Vitamin D. Es sorgt dafür, das Kalzium in den Knochen aufgenommen werden kann. Vitamin D kann der Körper nur mit Hilfe der direkten Sonneneinstrahlung auf die Haut produzieren. Für eine ausreichende Versorgung reicht die Zeit in der Sonne aber meist nicht aus, Vitamin D sollte über die Nahrung wie mit Lachs oder Hering, Leber, Eiern und Pilzen aufgenommen werden.

BUCHTIPP:


Sara Gottfried: Die Hormonkur, VAK Verlag 2014