Glück geht der Nase nach

Die Redewendung, jemanden gut riechen zu können, weist klar daraufhin: Unsere Nase entscheidet, wen wir mögen und wen nicht. Unser Körperduft ist einzigartig, genau wie unsere Haut, die maßgeblich für unseren individuellen Duft verantwortlich ist. Beispielsweise ist sie ein wichtiger Produzent von Pheromonen, die den Eigenduft bestimmen, aber auch aufgetragene Düfte verändern. Ernährung, Bewegung, Hygiene bis hin zu Krankheiten beeinflussen zusätzlich, wie wir riechen. Lange war die Nase für die Wissenschaft ein geheimnisvolles, unerforschtes Organ. Erst 1991 entdeckte die amerikanische Forscherin Linda Buck die 350 Riechrezeptoren. Für ihre Forschungen erhielt Buck den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Mit den Riechrezeptoren sind etwa 10 000 Gerüche wahrnehmbar, so ihre damaligen Forschungsergebnisse – inzwischen hat man die Zahl auf eine Billion (!) korrigiert. Unser Geruchssinn ist übrigens bereits im Mutterleib vorhanden, Vorlieben auch zur späteren Ernährung werden schon hier festgelegt. Die Aromen aus dem Fruchtwasser werden über die Riechrezeptoren aufgenommen.

Duftinformationen werden bei uns im Limbischen System verarbeitet, dem ältesten Teil des menschlichen Gehirns und Sitz der Emotionen und Triebe im Gehirn. Hier werden Freude, Angst, Lust, Ekel oder Wohlbefinden verarbeitet. Anders als optische oder akustische Sinneseindrücke werden Düfte nicht über den Thalamus gefiltert, sondern können ganz unbewusst Emotionen auslösen. Der Geruch von Vanilletabak kann also mit einem Schlag das gleiche Gefühl von Beklemmung auslösen wie Jahrzehnte zuvor im Mathematikunterricht des Pfeife rauchenden Lehrers. Und eine Mischung aus frisch gemähtem Gras, Sonnencreme, Pommes Frites und Chlor löst ein Gefühl der Leichtigkeit in uns aus, plötzlich sind Sommerferien.

Mit Düften können wir unseren emotionalen Zustand beeinflussen. Sie entspannen uns, können unsere Konzentration fördern oder uns aufheitern. Blumige, weiche und zart holzige Noten harmonisieren, herbe, krautige, kräftig holzige Aromen beruhigen und frische, fruchtige Düfte beleben.

WIRKUNG VON DÜFTEN

Anregend

Grapefruit, Melisse, Minze, Rosmarin, Wacholder

Beruhigend, erdend

Lavendel, Kamille, Anis, Thymian, Vanille, Zeder, Zimt

Stimmungsaufhellend

Citronella, Lemongrass, Neroli, Blutorange, Grapefruit, Iris, Mandarine, Orange, Rose, Zitrone

Konzentrationssteigernd

Eukalyptus, Lemongrass, Pfefferminze, Kampher

Tipps

Achten Sie bei der Wahl der ätherischen Öle darauf, dass sie zu 100 Prozent naturrein sind. Hochwertige Öle erhalten Sie in Ihrem Bio-Fachhandel. Verwenden Sie das Öl sparsam, Sie können ganz klassisch eine Duftlampe benutzten oder moderne Varianten wie elektrische Aromastreams.

Das Öl lagern Sie zu Hause am besten bei Zimmertemperatur (etwa 20 Grad Celsius) und eher dunkel, große Temperaturschwankungen und direktes Sonnenlicht sollten vermieden werden.

Vormittags ist der perfekte Zeitraum zum Proberiechen, da ist die Nase sensibler als nachmittags. Beginnen Sie bei den Zitrusdüften, dann die blumigen Düfte und zum Schluss Pfefferminz oder Eukalyptus. Zwischendurch neutralisiert Kaffee die Nase oder die eigenen Ellenbogenbeuge. Scharfes Essen sollten Sie übrigens lieber nach der Duftprobe genießen.