Mut tut gut.

„Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut“ wusste bereits Perikles, Staatsmann der griechischen Antike. Mut führt in ein erfülltes Leben, in Einklang mit sich, in Selbstachtung und Authentizität. Überwinden wir unsere Furcht und stehen für das ein, woran wir glauben, wachsen wir über uns hinaus und entfalten uns. Mutige Menschen sind bereit, Risiken einzugehen, einer potentiellen Gefahr ins Auge zu blicken und Opfer zu bringen. Mut erfordert in der Umsetzung dazu Eigenständigkeit im Denken, ein Bewusstsein für Werte sowie emotionale Reife und Stärke. Neugier kann eine Triebfeder sein, aber auch Empörung.

Die Facetten des Muts und der Situationen, die uns Mut abverlangen sind vielfältig. Es beginnt im Alltäglichen, wenn wir nicht zu Diskriminierung und Ungerechtigkeit schweigen, sondern eine klare Position beziehen. Sei es zu einer rassistischen Bemerkung in der U-Bahn oder gegenüber einem mobbenden Kollegen. Mut braucht es, um Werte zu verteidigen, die wir für unsere Gesellschaft als wichtig erachten, Mut braucht es auch, um unsere Persönlichkeit wachsen zu lassen. Wenn wir allein eine Weltreise unternehmen, bei einem Theaterstück mitspielen oder den sicheren Job für unseren Traum kündigen, ein kleines Hotel in der Bretagne zu eröffnen.

Jede Heldengeschichte beginnt mit Mut. Das Heldenhafte liegt nicht in der Furchtlosigkeit, sondern in der Überwindung der Angst. Es ist der Moment der Entscheidung. Die Situation, die Mut erfordert, sucht sich der Held selten aus, er wird hineingeworfen und mit der Frage konfrontiert: Was wirst du jetzt tun? Besonders beeindrucken uns dabei diejenigen, die nicht mit Superkräften ausgestattet, weder stark noch mächtig sind und sich dennoch mit unerschütterlichem Glauben für das einsetzen, was ihnen wichtig ist. In Erzählungen sind es Figuren wie Zauberschüler Harry Potter oder Hobbit Frodo, zurückhaltende, friedliche Charaktere, vielleicht sogar schüchtern, deren innere Stärke sich zeigt, als sie die Entscheidung treffen, den Dämonen die Stirn zu bieten. Wir bewundern diese Mutigen und finden sie glücklicherweise nicht nur in Romanen und Filmen. Es sind Menschen, die uns Vorbilder sind und beweisen, dass Mut möglich ist: Greta Thunberg, ein Mädchen, das zuerst Unwägbarkeiten durch ihren Schulstreik in Kauf nahm, später viele Anfeindungen, um sich mit aller Entschiedenheit für den Klimaschutz einzusetzen. Carola Rackete, die als Kapitänin Geflüchtete in Seenot rettete und trotz des Verbots der italienischen Behörden den Hafen der Insel Lampedusa anlief, um Menschenleben zu retten, sich gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik zu stellen – und dafür drei Tage inhaftiert wurde.

Der Gegenspieler von Mut ist Angst, manchmal auch Bequemlichkeit. Unsere Ängste haben eine wichtige Aufgabe, sie sollen uns warnen und beschützen. Nur beherrschen sollten sie uns nicht. Wichtig ist es daher, sie realistisch einzuschätzen. Hilfreich ist dabei, sich zu fragen, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Möglicherweise sind die Konsequenzen nicht so gravierend wie vermutet. Selbst wenn wir Fehler machen oder scheitern, unser Plan nicht sofort gelingt, ist das nicht schlimm. Unser Leben ist ein einziger großer Lernprozess und Fehler gehören dazu. Hinter Perfektionismus liegt oft der Wunsch nach Anerkennung. Aber er verhindert auch, mutig seine Meinung zu vertreten.

Auch die Überlegung, was im besten Fall geschehen kann, ist wichtig. Der Ausblick auf mehr Freiheit, Selbstbestimmung oder schlicht das Gefühl, das Richtige getan und nach der eigenen Überzeugung gehandelt zu haben zu haben, kann Mut geben.

Es ist eine Abwägung, bei der Ex-Minister Heinz Riesenhuber einen wunderbaren Denkanstoß gegeben hat: „Wer sein Leben so einrichtet, dass er niemals auf die Schnauze fallen kann, der kann nur auf dem Bauch kriechen.“

Das Gefühl der Selbstwirksamkeit, ein Vertrauen in die eigenen Werte und Zuversicht ins eigene Handeln und die Zukunft lassen uns mutiger sein. Wem das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht in der Kindheit mitgegeben wurde, kann es sich selbst aufbauen. Indem wir uns immer wieder Herausforderungen stellen und uns mit der Bewältigung Erfolgserlebnisse schenken. Allein schon der Umstand, sich einer fordernden Situation überhaupt gestellt zu haben, gibt Stolz und Selbstachtung. Psychologen vergleichen Mut mit einem Muskel: Je mehr man ihn trainiert, desto stärker wird er.

Für den Mut braucht es außerdem auch eine Unabhängigkeit gegenüber der Meinung anderer Menschen, einen Eigensinn und das Vertrauen in die eigene Überzeugung. Wichtiger als die Frage, was andere über einen denken, ist die Frage, was man selbst über sich denkt. Wir wollen uns zugehörig fühlen, ja – doch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass wir es sowieso nicht allen recht machen können.

Und verlässt Sie einmal der Mut, stellen Sie sich doch einfach vor, Pippi Langstrumpf zu sein: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe!“