Was sagt dein Körper dazu?

Wir können nie nichts sagen. Wenn wir nicht sprechen – unser Körper tut es immer. Stets tauschen wir unbewusst Botschaften miteinander aus, unsere Mimik und unser Körper verraten unsere wirklichen Gefühle, wer wir sind und was wir eigentlich wollen. Die nonverbalen Botschaften sind meist unbewusst und gerade deshalb so machtvoll. Ohne Körpersprache sind die täglichen sozialen Beziehungen gar nicht denkbar. Laut Studien bestimmen Haltung, Gestik und Mimik neben Aussehen, Kleidung, Sprechgeschwindigkeit, Stimmlage, Betonung und Dialekt zu 95 Prozent (!) den ersten Eindruck von einem Menschen. Das, was jemand sagt, spielt für die erste Einschätzung nur zu fünf Prozent eine Rolle.

Wir erkennen instinktiv an der Haltung des anderen seine Gefühlslage: Ist ein Mensch zusammengesunken und lässt die Schultern hängen, sprechen Traurigkeit und Kraftlosigkeit aus ihm. Wer hingegen mit einer offenen Haltung im Brust- und Halsbereich anderen begegnet, wirkt damit selbstbewusst und sicher. Auch Aufmerksamkeit zeigt sich in der Haltung – leicht vorgebeugt signalisiert sie Interesse. Ein zurückgelehnter Körper mit übereinandergeschlagenen Beinen kann ebenfalls eine positive Stimmung zum Ausdruck bringen, nämlich Wohlbehagen und Sicherheit. Schaut uns unser Gesprächspartner immer wieder in die Augen, wissen wir, er folgt dem, was wir sagen. Starrt er uns an, hat dies eine kritische bis feindselige Wirkung auf uns. Kann uns unser Gesprächspartner hingegen gar nicht in die Augen sehen und schaut zu Boden oder an die Decke, irritiert uns das – er scheint unsicher oder desinteressiert zu sein. Ebenfalls ein Ausdruck von Unbehagen oder Unsicherheit ist eine Unruhe in der Gestik, das typische Zappeln oder Zupfen an der Kleidung.

Die Hände sind neben der Haltung besonders „gesprächig“: Ständig in Bewegung, wedelnd oder spielend offenbaren sie eine gewisse Nervosität. In die Seiten gestemmt, zeugen sie von einem (gespielten) Imponiergehabe. Verstecken sie sich in den Hosentaschen, ist dies ein Zeichen von Unsicherheit. Geht die Hand oft an den Hals, steht die Person unter Druck oder fühlt sich unwohl. Die Nase reibend, kann dies ein Zeichen von Verlegenheit oder Lügen sein – es sei denn, die Nase juckt gerade. Verschränkte Arme werden in der Regel als Ablehnung gedeutet, aber wie der Griff zur Nase kann auch diese Geste mehrere Ursachen haben und genauso Ausdruck von Entschlossenheit und Überzeugung sein. Das Gesamtzusammenspiel von Geste, Haltung und Mimik gibt dann Aufschluss.

Stirnrunzeln beispielsweise ist ein klassisches Merkmal von Anspannung, Ärger oder Ablehnung. Wer die Augenbrauen in die Höhe zieht, bringt damit Überraschung oder auch Skepsis zum Ausdruck. Es zeigt: So ganz überzeugt ist er noch nicht. Ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen hingegen signalisiert Interesse. Ist nur eine Augenbraue hochgezogen, ist das eine typisch spöttische Mimik. Eine gerümpfte Nase ist ein Zeichen der Ablehnung oder Kritik. Wer die Lippen schürzt, denkt entweder nach und wägt ab oder lehnt ab. Ebenso ist eine gehobene Oberlippe ein Zeichen der Ablehnung oder des Einwands.

Haltung und Mimik beeinflussen die Wirkung auf andere, sie sind ein Indikator unseres Gefühlszustandes. Das Schöne ist: Es funktioniert auch umgekehrt. Wir können unsere Gefühlslage und sogar unsere Gesundheit positiv beeinflussen, wenn wir eine andere Haltung einnehmen. Ein Rundrücken zum Beispiel führt zu Verspannungen im Nacken und den Schultern oder gar zu Kopfschmerzen. Durch die Verengung des Brustkorbs verflacht sich die Atmung, weniger Energie ist die Folge. Sogar die Verdauung leidet unter der eingeknickten Haltung.

Übung für eine gute Haltung:

Gesäß anspannen

  • Füße schulterbreit auseinander („schulterbreit“ = Fäuste nebeneinander passen genau zwischen die Füße)
  • Gesäß fest anspannen
  • Becken ein wenig nach vorkippen

Brust raus, Bauch rein

  • Bauch leicht anspannen
  • Brust nach vorne oben schieben

„Schultern in die Hosentaschen“

  • Schultern erst nach hinten und dann nach unten ziehen
  • Sich vorstellen, die Schultern in die hinteren Hosentaschen stecken zu wollen

Aufrechter Kopf

  • zuletzt Kopf aufrichten, Blick geradeaus
  • Nacken strecken und sich dabei vorstellen, der Hinterkopf würde an einem Faden nach oben gezogen

Tipp:

Damit die neue Körperhaltung bald Gewohnheit wird, muss sie täglich trainiert werden. Am besten platzieren Sie Erinnerungszettel in Wohnung und nach Möglichkeit am Arbeitsplatz, die Sie anhalten auf Ihre Körperhaltung zu achten. Am besten sind Orte, wo Sie sich mehrmals aufhalten (Toilette, Kühlschrank etc.). Wichtig ist es, den Zettel von Zeit zu Zeit woanders aufzuhängen, denn das Gehirn gewöhnt sich sonst und nimmt ihn nicht mehr wahr.

Übrigens: Yoga und Pilates eignen sich hervorragend, um die Körperhaltung zu verbessern.