Wollen Sie’s wissen?

Wie kommt der Regenbogen an den Himmel und sind Wolken aus Watte? Warum dreht sich die Erde? Und warum schlägt mein Herz? Weshalb haben Tiger Streifen und wie atmen Fische? Die Neugier lässt uns als Kinder die Welt begreifen, verstehen, uns in ihr zurechtfinden. Sie treibt uns an zu lernen und zu entdecken. Ohne Neugier würde der Mensch sich nicht entwickeln und wäre nicht lebensfähig. Ohne Neugier gäbe es auch für die Menschheit keinen Fortschritt, wir wären ohne Feuer und Internet, es gäbe keine USA und keine amerikanische Flagge auf dem Mond, kein Klavier und niemand, der für Elise spielte.

Aber warum sind wir so neugierig? Die evolutionäre Archäologie geht davon aus, dass die Neugier vor 2,5 Millionen Jahren in uns geweckt wurde. Nachdem unsere Gehirne größer wurden, waren die Fragen plötzlich da: „Was? Wie? Warum?“. Genau dieser Moment, das Wissen-Wollen, lässt in uns die gleichen Gehirn-Areale aktiv werden wie die Aussicht auf ein großes Eis. Neurologen bezeichnen diese Gehirnregion als „Belohnungszentrum“. Die dortigen Nervengeflechte produzieren den Botenstoff Dopamin, der unser Verlangen schürt.

Warum ist die Schule dann nicht für alle Kinder und Jugendliche ein Ort, zu dem sie mit Begeisterung gehen, ein Ort größter Freude? Die US-Psychologin Susan Engel kam dem Grund mit einer frappierenden Beobachtung auf die Spur. Sie hat gezählt, wie oft sich die Schüler von ersten Klassen im Unterricht melden, um eine Zwischenfrage zu stellen: Im Durchschnitt waren es etwa zwanzig Fragen pro Unterrichtsstunde – in der fünften Klasse maximal nur noch zwei Fragen. Engel kam zu dem Schluss, dass die Kinder durch jahrelanges Abhandeln vorgefertigter Lehrpläne so abgestumpft sind, dass sie sich das Nachfragen abgewöhnt haben. Es ist wie ein ständiges Füttern, durch das sich kein Gefühl des Hungers mehr entwickeln kann. Die vielen Informationskanäle sorgen auch bei Erwachsenen für eine Reizüberflutung, die es immer schwieriger macht, Neugier zu wecken.

Um wieder in den Dopamin-Genuss des Wissen-Wollens zu kommen, sollten wir also die Informationsflut eindämmen – und außerdem:

Studieren

Nein, es müssen nicht gleich fünf Jahre sein. Informieren Sie sich einfach über ein Thema, das Sie interessiert und fasziniert und über das Sie bisher wenig oder gar nichts wissen. Über die Architektin Zaha Hadid, wie Orange Utans kommunizieren oder wie man ein Baumhaus baut. Wichtig ist dabei, sich einige Tage in das Thema zu vertiefen. Alternativ: Sich wieder einmal die Wochenendausgabe einer guten Tageszeitung von Anfang bis Ende durchzulesen.

Fragen

Was könnten wir alles von unseren Mitmenschen lernen, wenn wir nur einmal fragen würden! Also, Scheu oder Trägheit überwinden und auf den Nachbarn, die Kollegin, den Verkäufer, die Straßenmusikerin zugehen. Natürlich kennen Sie den Unterschied zwischen unangemessener Neugier, die Grenzen in das Private überschreitet und einer Neugier, die wertschätzendes Interesse zum Ausdruck bringt. Mit Sicherheit bekommen Sie Antworten, die Sie bereichern werden.

Riskieren

Etwas Neues auszuprobieren, bedeutet auch immer eine Überwindung, einen Schritt ins Unbekannte wagen. Ob wir uns allein auf Reisen begeben, eine neue Sportart lernen, ein Ehrenamt annehmen – immer kann es sein, dass das Unbekannte vielleicht auch nicht schön ist, wir uns beim Sport verletzen, uns auf der Reise einsam fühlen oder etwas Gutes tun wollen und uns plötzlich in Konflikten befinden. Vielleicht. Wahrscheinlich ist, dass wir – selbst, wenn nicht alles rundum positiv verlaufen sollte – wir aus unseren Herausforderungen lernen und daran wachsen.

Entdecken

Suchen wir uns neue Erfahrungen! Kochen wir ein Gericht, das wir noch nie vorher gegessen haben. Hören wir uns im Plattenladen Musik an, die wir noch nicht kennen, am besten ein anderes Genres, als das was sonst bei uns Zuhause läuft. Gehen wir durch unsere Stadt mit den Augen eines Touristen und abseits der Wege, die wir sonst gehen. Gehen wir in Läden, Museen, Cafés, in die wir sonst nicht gehen würden, in ein Geschäft für Lederwaren, ein Technikmuseum und anschließend auf einen Absacker in „Ritas Treff“.

Standpunkt wechseln

Wovon sind Sie politisch, theologisch, kulturell, gesellschaftlich fest überzeugt? Und nun versuchen Sie, als Grünen-Wähler die Position eines FDP-Wählers zu verstehen. Recherchieren Sie, was die Partei will und warum. Welche Menschen in der FDP sind, weshalb sie dort eingetreten sind. Das gleiche funktioniert auch mit Mitmenschen, die uns fremd scheinen oder die uns sogar unsympathisch sind. Versuchen wir die Welt einmal aus dem Blickwinkel der ständig meckernden, grantigen alten Dame aus dem ersten Obergeschoss zu sehen.

Vorbild suchen

Zum Beispiel Albert Einstein. Der erklärte den Grund für seinen Erfolg einmal so: „Ich habe keine speziellen Talente, ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“

Also, gehen Sie los, löschen Sie Ihren Wissensdurst!