Zufrieden?

Der „Frieden“ in Zufriedenheit ist der Kern ihres Gemütszustandes. Zufriedenheit ist frei von innerem Kampf, Konflikten und Aggression, frei von Gier, frei von Wut, Trauer, Schmerz, Störung und Zerstörung. Mir geht es gut und es ist gut so, wie es ist, es ist genug, ich habe alles, was ich brauche – so fühlt es sich an, das Zufriedensein. Es ist das Lebensziel vieler, es wird als Glück verstanden, es ist ein Ankommen.

Doch was oder wer bringt uns dorthin? Wie finden wir unser Ziel?

Sie ahnen es, es sind wir selbst. Und unsere Haltung. Wer glaubt, dass materieller Wohlstand, Gesundheit oder Heirat und Kinder entscheidend für ein zufriedenes Leben sind, der irrt. Denn unsere Grundstimmung hängt Wissenschaftlern zufolge nur in geringem Maße von den Voraussetzungen und Wendungen unseres Lebens ab. Unterschiede in der Lebenszufriedenheit lassen sich Forschungen zufolge nur zu höchstens 20 Prozent durch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Einkommen, Bildung und Familienstand erklären. Zufriedenheit ist vor allem eine Frage der Persönlichkeit. Natürlich erleben wir emotionale Schwankungen von Freude und Trauer, dennoch pendelt sich die Grundzufriedenheit auf lange Sicht auf ein bestimmtes Level ein. Die positive Nachricht dabei ist: Jeder Mensch ist fähig, seine Zufriedenheit zu verbessern. Denn Zufriedenheit ist zwar eine Emotion, in sie fließen jedoch unsere Gedanken und Einstellungen ein. Wir können unser Gefühl beeinflussen, in der Art und Weise, wie wir Erfahrungen, Ereignisse und Umstände unseres Lebens bewerten. Es ist also ein „kognitives Wohlbefinden“, das sich durch bewusstes Denken steuern lässt.

Wir können uns im Urlaub nachts durch das laute Wellenrauschen gestört fühlen, hinter der Freundlichkeit des Nachbarn pure Berechnung vermuten oder bemängeln, dass der Geburtstagskuchen, den der Liebste gebacken hat, viel zu süß ist. Wir können uns mit der erfolgreichen Freundin vergleichen und neiden die mondäne 150-Quadratmeter-Eigentumswohnung auf zwei Etagen oder die viele freie Zeit des Freundes, der mit seinem Teilzeitjob Hobbys und sogar noch einem Ehrenamt nachgehen kann. Wir können nach einer kritischen Nachfrage unseres Vorgesetzten befürchten, die Arbeit zu verlieren – oder unseren Partner, weil er seit drei Stunden nicht zurückgerufen hat. Wir können bei einer regelmäßigen Inspektion unseres Spiegelbildes und unserer Persönlichkeit gewissenhaft all unsere Makel dokumentieren, unsere Biografie und aktuelle Lebenssituation hinsichtlich nicht erreichter Ziele bewerten.

Oder wir entscheiden uns dafür, zufrieden zu sein.

Zum Beispiel, indem wir den Blick auf das Schöne richten und die Schätze in unserem Leben erkennen. Psychologieprofessorin Sonja Lyubomirsky empfiehlt, mindestens sechs Wochen lang jeden Tag fünf Dinge zu notieren, für die wir dankbar sind oder worüber wir uns gefreut haben. Das schärft zudem den Blick dafür, was uns wichtig ist und uns Glücksmomente bereitet. Diese zu kennen und bewusst zu erleben, lässt sie gleichzeitig an Bedeutung gewinnen und einen größeren Raum einnehmen.

Auch Aktivität kann unsere Zufriedenheit fördern. Wenn wir etwas mit voller Konzentration tun, etwas, indem wir ganz aufgehen, was unseren Interessen und Stärken entspricht und alles um uns herum vergessen lässt, verschafft uns dies ein Gefühl der Befriedigung. Um genau diese persönlichen Stärken herauszufinden, können wir uns die Frage stellen, welche Tätigkeiten uns in der Vergangenheit viel Freude gemacht haben und bei welchen Hobbys wir völlig aufgegangen sind. Und falls es ad hoc da nichts geben sollte: einfach etwas Neues ausprobieren!

Die wichtigen Menschen, die positiven Beziehungen in unserem Leben verdienen ebenfalls besondere Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Unsere Freunde, Familie, Partner schenken uns Geborgenheit, Freude, Zufriedenheit – und wir ihnen. Sich darüber bewusst zu sein und dafür dankbar zu sein, intensiviert die Verbindung und schafft auf allen Seiten eine stärkere Zufriedenheit.

Zufriedenheit bedeutet nicht, sich keinen Herausforderungen zu stellen, im Gegenteil. Ziele zu haben, sich einzusetzen und anzustrengen, bringt Erfüllung. Vorausgesetzt natürlich es sind die eigenen Ziele. Ebenfalls eine wichtige Säule für ein zufriedenes Leben ist der Lebenssinn. Auch dieser ist selbstverständlich sehr individuell. Ob es ein spiritueller, politischer oder gesellschaftlicher ist, ob es die Neugier auf Neues ist oder der Anspruch, Gerechtigkeit, Freude oder Schönheit in die Welt zu bringen – was Ihr Leben schön und bedeutungsvoll macht, entscheiden Sie.