Zum Fest der Liebe: Wie geht Glück zu zweit?

90 Jahre lang waren Karam und Kartari Chand miteinander verheiratet, bis Karam im Alter von 110 Jahren verstarb. Bis ins hohe Alter hielten sie wie verliebte Teenager Händchen. Nach dem Geheimnis ihres langen Lebens und Liebesglücks gefragt, antworteten sie: gesundes Essen, ab und zu ein Gläschen Whisky und täglich eine Zigarette. Whiskey und Zigaretten? Eine Antwort, die irritiert und ungläubig zurücklässt. Vielleicht war ihnen die Art und Weise, wie sie ihre Ehe geführt haben, so selbstverständlich, dass es zu gewöhnlich schien, um es zu erwähnen? Wie zum Beispiel einander mit Toleranz und Akzeptanz zu begegnen. In einer Umfrage unter glücklich verheirateten Paaren, wurde genau das als besonders wichtig für eine gute Partnerschaft genannt. Wir wollen angenommen werden, so wie wir sind, als Komplettpaket inklusive Macken und Marotten. Und wenn doch einmal Kritik geübt wird, braucht es neun Komplimente, um die negative Aussage wieder auszugleichen, sagen Forscher. Freundliche, positive Worte, Wertschätzung und Akzeptanz geben uns Sicherheit und lösen Zufriedenheit in uns aus. Und wenn wir uns so fühlen, fällt es uns leichter, sich dem Partner nah zu fühlen, uns zu öffnen. Sich dem Partner unverstellt und authentisch zu zeigen, unsere Alltagsrüstung und Masken abzulegen, macht uns verletzlich. Genau diese Verletzlichkeit schafft eine große Nähe und Intimität mit dem Partner, sie baut eine innige Bindung auf. Wer liebt, macht sich verletzlich. Wenn unser Partner auf diese Verletzlichkeit mit Offenheit reagiert, spüren wir die Kraft der Liebe besonders stark.

Gemeinsam mit der Neugier auf den anderen ist Offenheit die Voraussetzung, uns zu entdecken und zu erforschen. Wir befinden uns in ständiger Bewegung, sind niemals das gleiche Paar. Wir verändern uns, unsere Partnerschaft verändert sich. Heute sind wir anders als wir es als verliebtes Studentenpärchen früher waren oder als das künftige Rentnerpaar sein werden. Aufmerksam für Veränderungen zu sein, es zu bemerken, wenn wir uns voneinander wegbewegen und sich immer wieder aufeinander zubewegen, zwischen Nähe und Distanz zu pendeln, darin liegt die Kunst, eine gute Beziehung zu führen. Wenn wir uns darauf einlassen, erwartet uns eine lange Entdeckungsreise miteinander, auf der wir den anderen immer wieder neu kennenlernen. Und je beweglicher wir sind, umso stabiler wird unsere Beziehung. Es ist etwas, das uns guttut, denn Gewöhnung ist ein Feind des Glücks. Unsere gemeinsam geschaffenen Rituale hingegen stärken unser Wir-Gefühl, geben uns ein Gefühl von Zuhause, ein Signal der Beständigkeit, eine Bestätigung unserer Liebe.

Und was, wenn uns unser Partner verletzt? Wenn er uns enttäuscht, im Stich lässt oder betrügt? Wenn Vertrauen zerbricht, gehen wir auf Distanz, sind reserviert und es fällt schwer, sich auf den anderen so einzulassen wie vor der Enttäuschung. Gleichzeitig versuchen wir die Bindungsverletzung nicht zu ernst zu nehmen, wir wollen, dass sie vergangen ist – aber das gelingt erst, wenn wir uns Schmerz und Enttäuschung eingestehen. Wenn der andere die Chance bekommt und ergreift, zu verstehen, was uns verletzt hat und wie das Vertrauen wiederhergestellt werden kann. Wenn die Sicherheit in der Beziehung, nach der wir uns sehnen, nach Verlässlichkeit und Vertrauen, nicht wieder repariert wird, dann wirkt das stark zerstörerisch, wie alles Unerledigte in der Seele. Vielleicht haben sich Karam und Kartari bei Whisky und unter Rauchschwaden genau das zugeraunt.